Gerhart-Hauptmann-Museum erhält Bundesgelder

Veröffentlicht am 26.06.2020 in Kultur

Das Erkneraner Gerhart-Hauptmann-Museum erhält 2,5 Mio. € aus Bundesmitteln! Stadtverordnetenversammlung Erkner hatte im Dezember 2019 die Bewerbung (Beschlußvorlage 7-03/055/19) bei „Investitionen in Projekte des nationalen Städtebaus“ für das Gerhart-Hauptmann-Zentrum beschlossen. (jv/gu)

Wer von der Autobahn nach Erkner kommt und in den Kreisel fährt, sieht linker Hand das gelb gestrichene, herrschaftliche Haus aus dem 19. Jahrhundert. Die Villa Lassen. Hier schuf Gerhart Hauptmann zwischen 1885 und 1889 vier seiner wichtigsten Werke. Unter anderem die bekannten Novellen "Fasching" und "Bahnwärter Thiel". Heute ist der einstige Wohnsitz das Gerhart-Hauptmann-Museum von Erkner. Jetzt erhält es aus Bundesmitteln 2,5 Millionen Euro. Für das „Gerhart-Hauptmann Kultur- und Bildungsforum Erkner sind Sanierungen, Umbauten und ein Neubau vorgesehen. Folgende Aufteilung ist angedacht:

  • Museum: Ständige Ausstellung, Archivierung, Forschung zum Thema „Gerhart Hauptmann" in der „Villa Lassen"
  • Neubau: Veranstaltungsräume für Konzerte, Lesungen und Wanderausstellungen
  • Garten: Sommertheater

Seit 2014 fördert das Bundesbauministerium Projekte der Baukultur und des Städtebaus mit überdurchschnittlicher nationaler Bedeutung und einem hohen Innovationspotential. Eine Expertenjury hat sich für eine Förderung in der Gerhart-Hauptmann-Stadt ausgesprochen. Dazu der Landtagsabgeordnete Jörg Vogelsänger: „ Viele in Erkner setzen sich für das Gerhart-Hauptmann-Museum ein. Es ist für uns alle ein großer Erfolg, dass wir jetzt ein gefördertes Vorhaben im Bereich Premiumprojekte der Baukultur in Deutschland sind.“

Gerhart Hauptmann (1862 – 1946) war das, was man einst als Dichterfürsten beschrieb. Auch wenn 130 Jahre vergangen sind, als der Schlesier Hauptmann für vier Jahre seine Zelte in Erkner aufschlug. Seine Beobachtungen und Warnungen, die er in Theaterstücke und Novellen kleidete, haben an Aktualität nie verloren. Es ging ihm um menschliches Versagen hin bis zur Katastrophe. Er warnte vor der Verelendung ganzer Gesellschaftsschichten.

Hauptmann wohnte herrschaftlich, bürgerlich gediegen: Das heutige Museum nahe der Innenstadt von Erkner zeugt davon. Großzügige Räume, schwere Möbel und Bilder des großen Künstlers belegen Wohlstand. Ein Titan unter den Wortschöpfern eben. Der Wohlstand kam nicht von ungefähr. Seine erste Frau Marie, geb. Thienemann finanzierte den Beginn des schriftstellerischen Aufstieges und brachte die Wirtschaftskraft in die Ehe ein.

Erkner ist eng mit der Novelle „Bahnwärter Thiel“ verbunden. Das Häuschen an der Schranke ist längst verschwunden, den Übergang an der Verbindung zwischen Erkner und Frankfurt/oder gibt es noch.

Das Elend der (schlesischen) Weber in der frühkapitalistischen Gesellschaft und rücksichtslose Ausbeutung ist jedoch nicht nur Theatergeschichte: Arbeitsbedingungen und elende Quartiere in deutschen, britischen und amerikanischen Fleischfabriken weisen beängstigende Parallelen auf. Die Arbeiterinnen in den Bekleidungsfabriken von Bangladesch leben oft genug am Rande des Existenzminimums, ebenso die Tagelöhner in tropischen Plantagen.

Der Aufstieg des Arbeiters in den westlichen Industrienationen in die gute verdienende Mittelschicht war gestern. Auf der nördlichen Erdhalbkugel hat ihr Abstieg längst begonnen. Die USA wissen ein Lied davon zu singen. Mit der Corona-Pandemie scheint sich diese Entwicklung sogar noch zu beschleunigen.

Themen für einen heutigen Gerhart Hauptmann gäbe es reichlich. Die jährliche Würdigung des Dichters in Erkner hat also ihre Berechtigung. Jedes Jahr im November, um den Geburtstag des des Dramaturgs veranstaltet die Gerhart-Hauptmann-Gesellschaft hier ihre Jahrestagung, die Gerhart-Hauptmann-Tage. Neben wissenschaftlichen Vorträgen internationaler Hauptmann-Forscher finden auch zahlreiche öffentliche Aufführungen, Ausstellungen, Konzerte und Lesungen statt.

Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Jörg Vogelsänger wird die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Dr. Manja Schüle am 17. Juli 2020 das Gerhart-Hauptmann-Museum in Erkner besuchen.

 

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